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GEOTHERMISCHES EUROPA - DIE DEKLARATION VON FERRARA* Auf der Suche nach einer nachhaltigen Energieversorgung haben sich die Menschen immer wieder in Sackgassen verirrt oder endliche Lösungen als endgültige betrachtet. Um uns herum gibt es unerschöpfliche Ressourcen, die es ermöglichen, den unsrigen und den Energiebedarf der nachfolgenden Generationen zu decken, ohne damit unkalkulierbare Risiken für die Lebenszusammenhänge unseres Planeten in Kauf nehmen zu müssen. Aber erst die Entwicklungen der modernen Technik gestatteten es, diese Quellen auch tatsächlich in einem Maße zu nutzen, die den Bedürfnissen und Ansprüchen einer modernen Zivilisation gerecht werden können. Eine einzelne Technologie, ein einziger erneuerbarer Energieträger könnte daher nie allein diese Aufgabe übernehmen. Jeder hat seine Vor- und Nachteile und muß intelligent und gezielt dort eingesetzt werden, wo er seine Stärken möglichst weitgehend entfalten kann. Nur gemeinsam sind sie in der Lage, den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Unsere Lebensumwelt bietet uns mit der Sonne und der Erde gleich zwei grundsätzlich verschiedene Quellen an, aus denen wir unseren Energiebedarf decken können. Die Sonne liefert sie uns direkt oder über Umwege wie Wind, Wasser oder Biomasse. Aber sie ist launisch. Sie macht uns abhängig von Tages- und Nachtzeiten, von Wetter und Klima. Die Erde ist störrisch aber zuverlässig. Ihr Potential steht grundsätzlich immer zur Verfügung, man muß es sich nur durch geeignete Technologien erschließen. Ein Erfolg der Erneuerbaren ist daher nur dann möglich, und eine Umorientierung der Energieversorgung nur dann wirtschaftlich und sozial verantwortbar, wenn beide, Sonne und Erde, dazu gemeinsam ihre Beiträge leisten können. Diese Aussage gilt für unseren Planeten in seiner Gesamtheit genauso wie für unseren Kontinent Europa im besonderen. Weltweit leistet die Geothermie bereits erhebliche Beiträge. Mehr als 50% der in den "neuen" Erneuerbaren (Geothermie, Wind, Gezeiten und Sonne) errichteten Stromerzeugungskapazitäten wurde in geothermischen Kraftwerken installiert. 80% des jährlich aus dieses Quellen produzierten Stroms stammt aus der Geothermie. In den letzten Jahren wurden große Fortschritte bei der Stromerzeugung mit sog. petrophysikalischen Systemen ("engineered geothermal systems") (z. B. Hot-Dry-Rock) gemacht. Sie berechtigen zu großen Hoffnungen, geothermischen Strom zukünftig überall, unabhängig von Dampf- oder Heißwasserlagerstätten erzeugen zu können. Innovative Kraftwerke ermöglichen es inzwischen, Strom auch aus niedrigeren Thermalwassertemperaturen ab 100 °C zu gewinnen. Ein großer Vorteil der geothermischen Energie ist die ständige Verfügbarkeit der Ressource, jeden Tag, das ganze Jahr. Mit Hilfe geothermischen Stroms kann Wasserstoff hergestellt und dieser dann etwa für den Antrieb von Fahrzeugen oder den Betrieb von Brennstoffzellen eingesetzt werden. Wärmeversorgung mit geothermischer Energie wird in Europa in hydrogeothermischen Anlagen betrieben, die warme Tiefenwässer meist zur Fernwärmeversorgung nutzen, oder in vielen kleinen bis mittleren Anlagen der oberflächennahen Geothermie. Oberflächennahe Geothermie hilft auch, Sonnenenergie zu Heizung heranzuziehen, indem diese im Untergrund vom Sommer zum Winter gespeichert wird Insgesamt ist vom Potential geothermischer Energie erst ein verschwindend kleiner Teil erschlossen. Um den Kampf für eine nachhaltige, umweltfreundliche Energieversorgung zu unterstützen, stimmen wir daher dahingehend überein, die Nutzung der Geothermie in Europa auf folgende Ziele hin zu entwickeln:
Wir appellieren an alle Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, in den nationalen Regierungen und Parlamenten und in den Europäischen Behörden sowie an die Mitglieder des Europäischen Parlaments uns bei der Realisierung dieser Ziele zu unterstützen.
Die steigende Nutzung geothermischer Energie und die Stärkung der geothermischen Industrie trägt wesentlich wesentlichen zur Reduzierung von CO2-Emissionen bei, spart Primärenergie ein, erhält und schafft Arbeitsplätze. Es ist unsere Aufgabe, daß in Zukunft jeder Europäer weiß, was die Worte "Geothermische Energie" bedeuten. Wir, der Vorstand und die Mitglieder von EGEC, die Teilnehmer des
Seminars, die eine breite Mehrheit der Unternehmen, Organisationen und Institutionen
repräsentieren, die sich mit der Entwicklung und Nutzung geothermischer Energie in Europa
befassen, werden das mit unseren Kräften Mögliche dazu beitragen, die gesteckten Ziele
zu erreichen und die Nutzung geothermischer Energie in allen Bereichen zu fördern Vainer Merighi
Christian
Boissavy
*Am 29. und 30.April 1999 hatte das European Geothermal Energy Council (EGEC) die geothermische Wirtschaft aus allen europäischen Staaten zu einem Seminar nach Ferrara, Italien eingeladen. Ferrara ist eine Stadt mit einer erfolgreichen geothermischen Fernwärmeversorgung, eingebettet in ein reiches kulturelles Erbe. Ziel des Treffens war es, die gegenwärtige, aktuelle Situation der Geothermie bei Forschung und Entwicklung, Umsetzung und Marktentwicklung zu diskutieren, Beispiele erfolgreicher Anlagen vorzustellen, die künftigen Marktchancen zu definieren und Ziele für die weitere Entwicklung zu setzen.
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